Künstler und Richtungen des Nachexpressionismus
Franz Roh identifiziert sieben Richtungen innerhalb des Nachexpressionismus, bei dem die wichtigsten Namen vorkommen, die auch heute, hundert Jahre später, in Deutschland zur Neuen Sachlichkeit gerechnet werden und auch einige fast vergessene: Max Beckmann, Heinrich Maria Darvinghausen, Otto Dix, August Wilhelm Dressler, Reinhold Ewald, George Grosz, Karl Hubbuch, Alexander Kanoldt, Carlo Mense, Kay H. Nebel, Rudolf Schlichter, Wilhelm Schnarrenberger, Georg Scholz, Georg Schrimpf, Siegfried Shalom Sebba, Walter Spies, Max Pfeiffer Watenphul.
Beim linken Flügel, den Veristen, die sich die „Schrecknisse sozialer Systeme“ zum Gegenstand nehmen („zynistischer Verbesserungs-Aktivismus“, 92), sieht der Kunsthistoriker zwei Varianten, eine mit kompositioneller „Verschönerung“, die Tagseite des Verismus mit z.B. Georg Scholz, die „Nachtseite“ (83) mit George Grosz und Otto Dix bis hin zum „Ekel“ (85). Beim rechten Flügel mit ihrer „idyllischen Art“ (87) sieht er die Gefahr zur unpolitisch bürgerlichen Biedermeierei, erinnert aber, dass deren „Malerei ja nicht wörtlich“ zu nehmen ist, sondern nur als „Sinnbild eines letzten Gehaltes“ (87). „Wenn (…) jemand eine Kuh im Grase malt, so kann man noch nicht sagen, er gehe an den brennenden Fragen vorbei und sei ein Reaktionär. (116). Die „linke Gruppe“ „öffnet“ die „Wunden“, während die „rechte Gruppe“ die Wunden „kühlt, verschließt“ und durch „Wohligkeit und Wärme“ (95) heilen will.
Darüber hinaus nennt Roh einige europäische Vertreter (zumindest in bestimmten Phasen dazugehörend) und führt viele Werke im Anhang auf (z.B. von André Derain, Auguste Herbin, Hilding Linnqvist, Georges Kars, Joan Miro, Moise Kisling, Otakar Kubín, Jacques Mauny, Jean Metzinger, Otte Sköld, José de Togores, Wassili Schuchajew, Jacques Thévenet).
Wie schon der Kurator Hartlaub hat auch Roh keine Künstlerinnen im Blick. Schade. Interessant vielleicht noch, dass Roh auch die „Konstruktivisten“ wie Wassily Kandinsky, Paul Klee und Oskar Schlemmer in bestimmten Gemälden dazu zählt wie auch die italienischen „Pittura metafisica“ von Carlo Carrà und Giorgio de Chirico.
In einem eigenen Kapitel „Umstellung auf anderen Gebieten“ (107 ff.) führt Roh ähnliche Tendenzen auf in der Bauhaus-Architektur, der Plastik (z.B. Maioll), der Literatur (z.B. Heinrich Mann, Carl Sternheim, Franz Werfel) und in der „Vulgärmusik“ (wie Jazz).